Fasten/Intervallfasten

Ein Erfahrungsbericht 1 Jahr danach

Fasten ist gerade in den Medien sehr präsent. Deshalb habe ich dies zum Anlass genommen, darüber zu schreiben. Aus meiner Sicht als Therapeutin aber vor allem als Erfahrungsbericht für alle, die es einmal ausprobieren möchten.

Ich habe gefastet und tue es noch. Aber der Reihe nach.

Schuld alleine daran ist mein Mann. Er ist verrückt nach Medien aller Art, vor allem den Nachrichten. Lesen, lesen, alles wird aufgesaugt. In Spiegel online gab es einen Artikel über das Thema Fasten. Kurzerhand kam er mit dem ausgedruckten Artikel zu mir:“Das möchte ich gerne machen! Lies mal!“ Aha. Tatsächlich fand ich den Artikel sehr gut und kurzerhand beschloss ich mit zu machen. Was gab es schon zu verlieren? Zur Not konnte ich jederzeit abbrechen und wieder essen. Wir besorgten uns Literatur dazu und bereiteten uns darauf vor. Wir wollten 5 Tage komplett fasten, also nur Wasser, Brühe und Kräutertees. Es gab vorher einen sogenannten Entlastungstag und nach diesen Tagen wichtige Aufbautage, in denen man langsam anfängt mit wenig und schonendem Essen.

Diejenigen, die mich bereits kennen, werden erstmal denken, dass fasten für mich nicht in Frage kommt, da ich groß uns schlank bin. Aber es ging mir überhaupt nicht darum, Gewicht zu verlieren. Ich habe das Problem, dass ich seit einigen Jahren unter den verschiedensten Nahrungsmittelunverträglichkeiten leide und dachte, das bringt vielleicht was? Allen voran vertrage ich kein Gluten, Zucker, Milch und Milchprodukte und noch einiges mehr. Dazu habe ich noch Allergien wie Tierhaare, Hausstaub und diverse Kräuterpollen. Durch meine Kollegin Claudia Empacher, zu der ich seit Jahren gehe, geht es mir damit sehr gut. Sogar so gut, dass es durch sie möglich war, die Katzenhaarallergie so zu reduzieren, dass wir nun seit fast 3 Jahren eine Katze halten können (sie heißt Vicky und liegt derzeit quer vor der Tastatur…jeder der eine Katze hat wird das Kennen J).

Nichtsdestotrotz habe ich leider immer noch mit einem Blähbauch zu kämpfen, egal, ob ich glutenfrei esse oder nicht. Dazu nasche ich gerne: Schokolade! Und irgendwie hatte ich immer das Gefühl essen zu müssen, sobald mein Bauch rumorte und gebläht war – nachschieben! Dazu Niesattacken, rote juckende Augen, räuspern und husten (vor allem nachts – Magensäure die zurück fließt und einen Reiz auslöst!), permanente Müdigkeit, nicht einschlafen und durchschlafen können, aber vor allem morgens wie gerädert aufstehen. Was sollte das alles? Ich hatte also gelesen, dass fasten helfen kann. Also los!

Die Frage war: Wann damit anfangen? Wir entschieden uns für einen Samstag. Wir kauften alles ein, was wir uns vorher herausgesucht hatten an Rezepten aus dem Buch, Joghurt, Trockenfrüchte, Leinsamen, Obst – und Gemüsesäfte und verschiedenes Gemüse vor allem für Suppen. Für meinen Mann eine Menge Obst, das war sein Entlastungstag. Ich habe mich an Gemüsesuppen orientiert. Wir haben den Vorteil, dass wir praktisch gleich neben einem Demeter Bauernhof wohnen, dem Dottenfelder Hof. Uns war wichtig, dass wir, wenn wir schon essen, auch bio essen, und das auch noch regional. Besser geht’s nicht!

Ich werde jetzt nicht schreiben, was wir wann alles aßen. Das muss jeder für sich heraussuchen und dazu sind tatsächlich Bücher von Fachmänner/oder – frauen am geeignetsten. Fasten sieht vor, dass auch auf Kaffee verzichtet wird. Hey! Ist doch nur Flüssigkeit! Aber nein! Kaffee regt den Appetit an. Spätestens am dritten Tag hatte ich sowieso keine Lust mehr darauf. Es klappte wirklich sehr gut. Wichtig ist generell sehr viel trinken. Das waren bei mir zwischen 3,8 und 5,7L/Tag. Sobald der Anflug eines Hungergefühls aufkam, habe ich etwas getrunken. Wenn es ganz schlimm war habe ich auch mal einen halben Teelöffel Honig in den Kräutertee gegeben.

Zum Thema Abführen am ersten Tag. Gesagt wird, mit Glaubersalz (das finde ich persönlich zu extrem und wird auch bei schlanken Personen nicht empfohlen) oder alternativ mit Sauerkrautsaft. Das kann jeder selbst entscheiden. Aber falls Sie das Abschreckt oder sie empfindlich reagieren und eher zum Erbrechen neigen, würde ich Ihnen davon abraten. Es geht auch ohne.

Wichtig beim Fasten ist, dass man sich Phasen der Bewegung aber auch der Ruhe gönnt. Am besten ist es, wenn man sich für diese Zeit Urlaub nimmt und eine kleine Auszeit vom Alltag. Nun ist das nicht für jeden möglich. Bei uns war es so, dass wir die Kinder zu Hause hatten, der Alltag mit Schule und vor allem das Essen für die Kinder zuzubereiten und mit ihnen am Tisch zu sitzen, war die größte Herausforderung für uns. Aber auch das war machbar. Gearbeitet habe ich reduziert einen Tag. Das ging erstaunlicherweise gut. Ich habe aber gemerkt, dass mein Körper entgiftet. Körperlich und auch seelisch. Der seelische Müll hat sich bei mir am meisten in Form von Gedanken und Träumen gelöst. An den einen Traum kann ich mich noch sehr genau erinnern. Das war sehr prägend und aufschlussreich. Bei mir stellte sich das vor allem durch Ruhelosigkeit und kreisende schlechte Gedanken am Entlastungstag sowie furchtbar übellaunig und unruhig am 4. Fastentag dar. Körperlich gibt es da auch eine Liste von Symptomen. Am Entlastungstag Kopfschmerzen und Blähbauch mit Schmerzen und ab dem 1. Fastentag Schmerzen im LWS/Kreuzbein und Steißbein plus schwere Beine. Das hielt 3 Tage lang an. Die Schmerzen waren sehr stark und waren immer da, egal in welcher Position ich mich befand: ob liegen, sitzen, stehen oder gehen. Am 2. Tag hatte ich dann eine osteopathische Behandlung, um mein kleines Becken zu lösen und generell für einen besseren Abfluss über die Diaphragmen zu sorgen. (das nächste Mal bin ich schlauer und lasse mich vor dem Fasten behandeln!) Am 4. Tag hatte ich dann diese Schmerzen nicht mehr, dafür an dem Tag ein Engegefühl in der Brust, sowie Schmerzen des rechten Rippenrasters und der Leber. Das Engegefühl verschwand mit Entspannung, die Schmerzen im Leberbereich blieben noch bis in den nächsten Tag hinein. (Die Leber war ganz schön gefordert). Dazu war mir am 2. Fastentag schwindelig und übel. Das ging aber nach einer halben Stunde wieder weg.

Einläufe finde ich unerlässlich während dem Fasten. Für mich war das nichts neues, da ich das schon öfter gemacht hatte. Aber das kann für viele Menschen erst einmal abschreckend sein. Leider ist das ein großes Tabuthema. Außerdem, wie soll man das ganz alleine zu Hause machen? Dazu gibt es einige Tipps (in den entsprechenden Büchern, oder von mir in der Praxis) und von mir die Aussage: weder schmerzt es, noch ist es ein zu großer Aufwand. Es ist sogar sehr erleichternd und sie werden erstaunt sein, was sich noch alles in ihrem Darm befindet, obwohl sie doch schon 3 Tagen fasten. Ich kann es sehr empfehlen, auch noch nach der Zeit des Fastens immer mal wieder durchzuführen.

Tägliche Spaziergänge tun gut, ebenso das Dehnen und das rollen der Faszien (hilft sehr gegen Muskelschmerzen, die sich leider manchmal einstellen). Richtig gut fand ich vor allem die Sauna und das Schwimmen. Das war fantastisch. Ich konnte besser entspannen als sonst, wenn ich in die Sauna gehe. Der Körper hatte einfach keine Arbeit und Belastung durch das Essen, konnte viel besser entgiften. Ich habe mich sehr leicht und gut gefühlt.. An dem Morgen, an dem mir schlecht und schwindelig war. Erst dachte ich, ich lasse das lieber. Das kann nicht gut gehen. Aber das Gegenteil war der Fall. Schon auf dem Weg zur Sauna ging es mir immer besser. Und auch hier waren meine LWS Schmerzen und schweren Beine nicht so extrem schmerzhaft. Also wenn Sie jemand sind, der gerne in die Sauna geht, finde ich, ist das ein Muss auch während dem Fasten zu saunieren. Wichtig finde ich noch zu erwähnen (was ich leider in keinem Buch gefunden habe), dass man zum binden der Stoffe im Darm die sich dort lösen, Heilerde einnehmen sollte. Ich empfehle dazu Naturzeolith. Ein Teelöffel wird in etwas lauwarmes Wasser eingerührt und getrunken. Am besten 3x täglich. Wir haben diese Heilerde immer im Haus. (Sehr gut auch bei Sodbrennen, Durchfall und nach Alkoholkonsum - vor dem schlafen gehen trinken und morgens nüchtern, außerdem vor dem schlafen gehen viel stilles Wasser trinken - ist es ein wichtiger Begleiter).

Es wird oft von diesem phänomenalen Stimmungshoch geschrieben, was ungefähr am 3. Fastentag einsetzt und anhält. Davon habe ich bis zum Schluss nichts gemerkt – leider. Meinem Mann ging es ähnlich. Das einzige was ich sagen kann ist, dass es mir am 5. und letzten Fastentag emotional und auch körperlich gut ging (und wie vorhin beschrieben, die vier Stunden in der Sauna). Vielleicht auch, weil ich wusste, das ist heute der letzte Tag mit Wasser und Tee! Ab morgen gibt es gedünsteten Apfel!

Tatsächlich dachte ich zwischendurch, dass es mir außer Schmerzen, Hunger und ekligen Träumen, nicht viel gebracht hätte. Vor allem war das Bedürfnis endlich wieder in etwas hinein zu beißen und kauen zu können sehr, sehr groß! Und erst ein paar Tage nach dem Fasten habe ich gemerkt, was es positives gab. Ich habe Dinkel vertragen in Form von Brot und Nudeln. Was schon eine beachtliche Verbesserung ist. Dazu auch mal ein Müsli mit Milch (bis heute). Mein Blähbauch war weniger, allerdings natürlich je nach dem was ich gegessen hatte. Aber das Erstaunlichste, was ich mir bis heute nicht erklären kann ist, dass ich plötzlich wieder Ohrringe tragen kann. Ich hatte schon seit Kindheit an Probleme mit dem rechten Ohr. Das gestochene Loch musste 2x neu gestochen werden, weil es mir immer wieder zuwuchs. Außerdem entzündete es sich immer wieder – bis heute war das so. Es fing an zu jucken und ich konnte das Gefühl nicht ertragen. Bis jetzt ist es so, auch noch über 1 Jahr später, dass ich problemlos Ohrringe tragen kann. Wunderbar.

Aber was macht man jetzt damit? Gefastet, ganz gut hinbekommen, aber nun…? Wieder essen wie zuvor? Weniger Kaffee? Weniger Süßes? Am besten ist es, wenn man sich vor dem Fasten ein Ziel setzt. Was möchte ich erreichen? Was ist mir wichtig? Was möchte man an seiner Ernährung ändern? Viele machen es auch, um Gewicht zu reduzieren. Bei vielen gelingt das auch, allerdings sollte man dabei auch die Komponente Sport nicht außer acht lassen. Es ist wichtig, seinen Körper zu fordern, seine Ausdauer, das Herz-Kreislauf- System zu stärken. Man fühlt sich damit einfach besser, die Gesundheit wird gefördert und das Immunsystem gestärkt.

Noch heute praktizieren mein Mann und ich das Intervallfasten. Es sollte möglich sein 16 Stunden ohne Nahrung auszukommen. Das ist auch gut machbar. Aber seien sie nicht enttäuscht, wenn sie nicht (sofort) auf diese Stundenzahl kommen. Hierzu sind sich die Forscher nicht wirklich einig. Laut Mark Mattson ist es aber so, dass die Glykogenspeicher umso mehr geleert werden und Ketonkörper umso mehr produziert werden, je länger die Pause ist, also mind. 16 Stunden. Fasten kommt einem Training gleich und Ihr Körper benötigt etwas Zeit, sich umzustellen. Am besten schaut man, was einem leichter fällt. Morgens das Frühstück weg zu lassen, oder lieber das Abendessen. Jeder Mensch hat da seine eigene Vorliebe. Es gibt Tage, an denen wir uns nicht daran halten möchten oder können. Das ist dann auch nicht weiter schlimm. Manchmal ist man einfach zu erschöpft, hatte an dem Tag sehr viel körperliche Anstrengungen oder man ist eingeladen und isst dann auch gerne und mit viel Freude. Das Intervallfasten soll keine Strafe sein, sondern ist eine gute Sache seinem Körper - hier vor allem seinem Darm – die nötige Ruhe zu gönnen.

Fazit: Das Fasten ist eine wunderbare Methode um sich und seinem Körper, aber auch dem Geist etwas Gutes zu tun.

 

 

Empfehlungen:

Heilen mit der Kraft der Natur von Prof. Dr. Andreas Michalsen (Hier geht es nicht nur um das Fasten, sondern um eine generell gesunde Lebensweise. Ein sehr gutes Buch!)

Bücher zum Fasten:

Intervallfasten von Dr. Petra Bracht

Wie neugeboren durch Fasten von Dr. med. Hellmut Lützner

 

Zum Ausdrucken: Persönliches Fastenprotokoll

Fastenprotokoll
Protokoll zum Fasten.
Fastenprotokoll.pdf
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